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Die Erinnerung vergessen - Alzheimer

Viele Menschen sitzen im Kino und lachen und weinen gleichzeitig beim Film „Honig im Kopf“ mit Til Schweiger und Didi Hallervorden. Irgendwie scheint es auch in der Realität so zu sein. Demenz ist eine traurige Krankheit – verliert die betroffene Person doch das wichtigste im Leben: die Erinnerung. Und doch gibt es auch lustige Momente, wie im Film, wenn Opa oder Oma beispielweise früh morgens aufwachen und zur Arbeit wollen, obwohl sie schon längst Rente haben, oder im Seniorenheim im Flur denken, sie würden an der Bushaltestelle stehen. Sie wirken irgendwie putzig, verloren, wie kleine Kinder. Bemerken sie eigentlich selbst, dass sie sich an vieles nicht mehr erinnern? Wo fängt die Krankheit an? Was kann man dagegen tun? Kann man überhaupt etwas dagegen tun?

Altersvergesslichkeit

Erst einmal sollte man wissen, dass es normal ist, im Alter etwas vergesslich zu werden. Nicht jeder, der mal seinen Schlüssel verlegt und Dinge vergisst, leidet gleich an Demenz. Tests beim Arzt können helfen, dies herauszufinden.

Was ist Alzheimer?

Demenz ist der Übergriff für Krankheiten mit dem Verlust geistiger Funktionen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz, die umgangssprachlich als Alzheimer oder Demenz bezeichnet wird. Benannt wurde sie nach dem deutschen Nervenarzt Alois Alzheimer. Alzheimer ist eine schwere Erkrankung des Gehirns, bei der die Betreffenden nach und nach ihre Leistungsfähigkeit verlieren. Neben der Vergesslichkeit und dem eingeschränkten Denkvermögen, kommt es auch zu Persönlichkeitsänderungen. Für Angehörige ist die Krankheit nur schwer zu ertragen. Doch auch die Person selbst ist sich ihrer Situation teilweise bewusst. Es handelt sich um eine typische Alterserkrankung. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Warum es genau zu Alzheimer kommt, ist umstritten. Man geht davon aus, dass genetische Faktoren, Gefäßverkalkungen und andere Risikofaktoren, wie starkes Übergewicht und Bluthochdruck, einen Einfluss auf die Erkrankung haben.

Symptome und Verlauf

Der Verlauf der Alzheimer Demenz gliedert sich in drei Stufen, was jedoch individuell verschieden ist.

In der ersten Stufe, die ca. 2-4 Jahre dauert, beginnt die Vergesslichkeit. Betroffen sind das Kurzzeitgedächtnis und der Orientierungssinn. Es kommt zu Wortfindungsstörungen in Gesprächen und Dinge werden verlegt. Grund dafür ist, dass sich fehlerhafte Proteine im Gehirn ablagern, wodurch Nervenzellen absterben. Da es sich anfangs nur um minimale Auffälligkeiten handelt, wird die Krankheit im ersten Stadium kaum erkannt und nicht ernst genommen. So auch nicht von den Personen selbst, die ihre Vergesslichkeit oft bemerken, aber aus Scham selten zugeben.

Im zweiten Stadium bauen die Nervenzellen weiter ab, sodass Hohlräume im Gehirn entstehen. Das führt zu einer rapiden Verschlechterung des Gedächtnisses in bis zu 10 Jahren. Der Alzheimer-Erkrankte hat Probleme damit, den Alltag zu bewältigen. Er findet sich in der gewohnten Umgebung nicht mehr zurecht und hat nach und nach Schwierigkeiten bei einfachen Dingen, z.B. dem Anziehen, dem Toilettengang oder dem Waschen. Die Personen fangen an, umherzuwandern, verirren sich häufig und sind oft ängstlich oder aggressiv.

Im letzten Stadium vergrößern sich die Hohlräume im Gehirn weiter. Die Person erkennt nun kaum noch etwas, auch nahestehende Verwandte nicht mehr. Das liegt auch daran, dass sie sich nur an denjenigen, z.B. den Sohn, als Kind erinnern kann und ihn nun als realen, erwachsenen Mensch nicht mehr wiedererkennt. Sie spricht wirr und es kommt zu Kau- und Schluckbeschwerden. Der Erkrankte scheint keine Persönlichkeit mehr zu haben und hat nun auch keine Kontrolle mehr über seine Blase und den Stuhlgang. Ohne Rundum-Pflege geht nichts mehr. Häufig kommt es zu Begleiterkrankungen, wie Lungenentzündungen oder Infektionen. Die letzte Phase dauert ca. 1-3 Jahre und endet im Tod.

Therapie

Heilen lässt sich Alzheimer nicht. Es ist jedoch sehr wichtig, Alzheimer frühzeitig zu erkennen, um den Prozess mit Medikamenten verlangsamen zu können und Symptome zu lindern. In der ersten Phase kann man das Gehirn zusätzlich noch gut geistig fit halten. Nicht nur mit Kreuzworträtseln, sondern mit neuen Herausforderungen: Bücher lesen, Reisen unternehmen, mit dem Fahrrad neue Orte entdecken etc.

Im zweiten Stadium ist es je nach Gesundheitszustand noch möglich, den Betroffenen zu Hause zu pflegen. Bei Inkontinenz-Problemen kann ein Toilettenstuhl im Schlafzimmer aufgestellt werden. Zudem gibt es Anziehhilfen für Socken, Thermoteller, die das Essen so lange warm halten, wie die Person isst und viele Hilfsmittel mehr, die das Leben erleichtern – auch für die Angehörigen bei der Pflege.

In der dritten Phase, kann eine Heimunterbringung meist nicht mehr verhindert werden. Zudem sind nun auch Windeln und andere Inkontinenzprodukte erforderlich. Man sollte sich viel Zeit für Besuche nehmen, mit dem Kranken reden, mit ihm spazieren gehen und ihn ernst nehmen, sich quasi auf seine Gespräche einlassen. Konfrontation, Streit und Zurechtweisung sollte man vermeiden, sondern viel loben und Positives hervorheben.

Alzheimer vorbeugen?

Leider kann man es nicht gänzlich verhindern, an Alzheimer zu erkranken. Die körperliche und geistige Fitness ist aber enorm wichtig, um den Beginn und Verlauf der Krankheit hinauszuzögern. Das hängt zum Einem stark von den Anforderungen im Beruf und den Freizeitvorlieben ab. Wessen Gehirn beruflich und privat stark gefördert wird, hat hohe Chancen, nicht oder nur sehr spät an Demenz zu erkranken.

Gut sind zum Beispiel Hobbys wie Musizieren, Lesen, Zeichnen oder Tanzen – individuelle Interessen, die das Leben schöner machen und den Alterungsprozess im Allgemeinen verlangsamen. Wer sein Leben lang geistig aktiv ist, regt den Stoffwechsel seines Gehirns immer wieder an, neue Synapsen zu bilden. Diese Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen können im Alter dann als Reserve genutzt werden. Man kann auch im Alter noch viel Neues ausprobieren, zum Beispiel eine Fremdsprache lernen, lernen ein Instrument zu spielen oder mit dem Zeichnen beginnen. Zu spät ist es nie! Senioren können aber auch eine kleine Teilzeitstelle oder ehrenamtliche Tätigkeit annehmen. Wer gebraucht wird und eine Aufgabe hat, bleibt fit!

So spiel auch die körperliche Fitness eine große Rolle, um das Gehirn auf Trab zu halten. Durch Sport wird die Durchblutung des Gehirns verbessert. Es wird mit Sauerstoff versorgt und die Konzentrations- und Gedächtnisleistung wird optimiert. Wer schon in jungen Jahren aktiv war, sollte dies auch im Alter fortsetzen. Natürlich müssen es keine stundenlangen Rennradtouren oder Marathonläufe (mehr) sein. Kleine Radtouren, Spaziergänge oder Wanderungen reichen vollkommen aus. Niemanden stört es, wenn dazu Hilfsmittel, wie ein Rollator oder ein Gehstock benötigt werden. Man sollte das machen, was man sich selbst zutraut und das am besten mit Freunden oder der Familie zusammen. Geselligkeit ist ebenso hilfreich, nicht dement zu werden. Mit Bekannten und Verwandten lachen, über Dinge reden, tanzen gehen. Kontakte suchen und aktiv bleiben sind optimale Voraussetzungen, nicht oder erst sehr spät an Alzheimer zu erkranken. Gegen das Vergessen!

Bild Copyright: nafas / pixelio.de



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