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Häusliche Pflege

Häufig tritt der Pflegefall unverhofft ein. Unfälle, Krankheiten oder altersbedingte Mobilitätseinschränkungen verhindern, dass alltägliche Besorgungen allein verrichtet werden können. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen ist das oft ein großer Schock. Zum einen müssen die Unterbringung und die Pflege neu geregelt werden. Zum anderen erschweren Ängste, Unsicherheiten, aber auch Scham die Organisation des künftigen Lebens. Damit die Pflege ordnungsgemäß funktioniert, müssen viele Kräfte zusammenarbeiten.

Immer häufiger findet die Pflege von Patienten in der häuslichen Umgebung statt. Derzeit geht das Statistische Bundesamt von immerhin 1,7 Millionen Pflegefällen mit häuslicher Betreuung aus. Im Vergleich zur Unterbringung im Pflegeheim lassen sich sowohl vom Betroffenen als auch vom Staat enorme Kosten sparen. Viel wichtiger aber ist, dass das Fortschreiten der Erkrankung oder Behinderung in der gewohnten Umgebung in den meisten Fällen besser aufgehalten werden kann als in stationärer Betreuung. Außerdem beruhigt es die Angehörigen und Freunde, wenn sie den alten oder kranken Menschen in ihrer Nähe wissen.

Letztere übernehmen es häufig, den Patienten allein zu pflegen. Natürlich ist die Pflege eine ehrenvolle Aufgabe. Auf Dauer fordert sie die Pflegepersonen aber auch, sowohl körperlich als auch psychisch. Umso wichtiger ist es, dass ein umfassendes Netzwerk aus Hilfskräften aufgebaut wird. Dieses lässt den Pflegenden ausreichend Raum zur Erholung und sichert die umfängliche Versorgung des Patienten.

An erster Stelle steht der enge Kontakt zum behandelnden Hausarzt. Er besitzt beim Patienten eine Vertrauensstellung, was die Zusammenarbeit enorm vereinfacht. Der Hausarzt stellt beim Patienten die medizinische Grundversorgung sicher. Er kontrolliert dessen Gesundheitszustand, verschreibt die aktuell notwendige Medikation und vermittelt den Patienten an Fachärzte weiter, sofern dies erforderlich ist. Im Allgemeinen vereinbart der Hausarzt regelmäßige Kontrolltermine. Sollte sich der Gesundheitszustand des Patienten jedoch zwischenzeitlich verschlechtern, ist es erforderlich, um eine umgehende Untersuchung zu bitten. Gerade chronische Erkrankungen lösen häufig sogenannte Schübe aus, bei denen sofort gehandelt werden muss.

Je schwerer der Patient erkrankt ist, desto wichtiger ist seine kompetente Betreuung. Unzureichende oder falsche Pflegemaßnahmen können den Gesundheitszustand verschlechtern, unnötige Schmerzen hervorrufen oder Folgeerkrankungen nach sich ziehen. In diesem Zusammenhang sei als Beispiel die korrekte Lagerung bei Bettlägerigkeit erwähnt. Um das Wundliegen zu vermeiden, muss der Patient regelmäßig umgelagert werden. Dies ist für beide Seiten sehr anstrengend. Unergonomische Bewegungsabläufe und falsche Handgriffe können fatale Folgen haben. Zudem müssen empfindliche Körperregionen ausreichend abgepolstert werden.

Allein aus Kostengründen fragen sich die Angehörigen der Patienten häufig, ob und wie häufig sie einen Pflegedienst einsetzen müssen. Nicht selten wird an der falschen Stelle gespart. Der Pflegedienst beschäftigt fachlich geschulte Kräfte, die im Umgang mit Pflegefällen Routine besitzen. Sie wissen, wie der Patient zu handeln ist und setzen die richtigen Pflegemittel ein. Außerdem erkennen sie Veränderungen im Gesundheitszustand des Patienten und informieren bei Bedarf den behandelnden Arzt.

Auch der Pflegedienst sollte eine Vertrauensstellung in der Familie des Pflegefalls besitzen. Von ihm können die pflegenden Angehörigen viele hilfreiche Tricks und Tipps erfahren. Der Pflegedienst berät außerdem darüber, welche Hilfsmittel die individuelle Pflege erleichtern. Stellt der Hausarzt für diese ein Rezept aus, beteiligt sich die Pflegekasse an den Kosten oder sie übernimmt diese ganz.

Vor dem Einbau technischer Hilfsmittel sollte eine umfassende Beratung stattfinden. Meist gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Mobilität des Patienten zu verbessern. Werden Umbauten geplant, kann ein Fachbetrieb diese vornehmen. Sie entsprechen dann den DIN-Normen für barrierefreies Bauen. Häufig stehen für weitere Informationen regionale Fachdienste und Vereine helfend bereit.

Nicht zuletzt sollten auch Nachbarn und gute Freunde in die Pflegesituation eingeweiht werden. Mit Sicherheit bieten sie ihre Hilfe an. Diese sollte aus falscher Scham nicht ausgeschlagen werden. Übernimmt ein Angehöriger allein alle Pflegemaßnahmen, kommt es meist zur Überforderung oder sogar zum Burnout. Dann wird die Pflegeperson selbst zum Krankheitsfall. Dies kann nicht Sinn der Pflege sein.

Wer sich gegenüber seiner Umwelt öffnet, nimmt sich viel vom psychischen Druck. Heikle Themen wie Aggressionen des Patienten gegenüber dem Pflegenden sollten mit dem Pflegedienst sowie gegebenenfalls mit dem Hausarzt besprochen werden, damit eine Lösung herbeigeführt werden kann. Manchmal stimmt die Chemie zwischen dem Patienten und der Pflegekraft nicht. Dann muss man einen Austausch in Erwägung ziehen. Ein zufriedener Patient lässt sich leichter pflegen. 



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